Peugeot Onyx Concept Car
Als Peugeot im Jahr 2012 auf dem Pariser Autosalon den Onyx Concept enthüllte, war sofort klar: Hier rollte kein typischer Showwagen auf die Bühne.
Das Projekt stand nicht für Spektakel, sondern für Substanz. Der Onyx war ein Versuch, Luxus, Technik und Nachhaltigkeit in einem Fahrzeug zu vereinen, das radikal, ehrlich und kompromisslos wirkte.
Die Studie zeigte, wie weit der französische Hersteller im Denken voraus war. Während andere Marken damals noch mit Plug-in-Prototypen experimentierten, präsentierte Peugeot einen fahrfertigen Supersportwagen mit V8-Hybridantrieb, Carbon-Monocoque und Materialien, die aus Recyclingprozessen stammten. Der Onyx war kein Symbol für Geschwindigkeit, sondern für Zukunftsfähigkeit.
Er diente als technisches Labor, als gestalterisches Manifest und als Ausdruck eines neuen Verständnisses von Innovation. Die Philosophie war klar: Nur wer den Ursprung der Materialien respektiert, kann moderne Technik glaubwürdig entwickeln.
Entstehung und Idee
Das Konzept entstand unter Leitung von Gilles Vidal, Peugeots damaligem Designchef. Sein Ziel war es, einen Supersportwagen zu entwerfen, der die Gegensätze zwischen Handwerkskunst und Hightech auflöst. Der Onyx sollte kein Showobjekt für Messen sein, sondern ein fahrfähiges Experiment, das Ingenieure und Designer gleichermaßen herausfordert.
Im Mittelpunkt stand der Gedanke der Materialehrlichkeit. Alles, was am Fahrzeug zu sehen war, hatte eine Funktion. Keine Lackierung, keine Zierleisten, keine Abdeckungen. Peugeot wollte den industriellen Charakter nicht kaschieren, sondern sichtbar machen. Damit wurde der Onyx zu einem Designobjekt, das weit über die Grenzen klassischer Automobilgestaltung hinausging.
Rohmaterial als Designelement
Die Karosserie des Onyx war zweigeteilt. Der vordere Bereich bestand aus handgehämmertem Kupfer, der hintere aus mattschwarzem Carbon. Beide Materialien blieben unbehandelt. Kupfer sollte im Laufe der Zeit oxidieren und eine Patina bilden – ein Prozess, der Alter und Gebrauch sichtbar macht, statt ihn zu verbergen.
Diese bewusste Alterung war ein Bruch mit dem gängigen Perfektionsanspruch der Automobilindustrie. Peugeot zeigte damit, dass Schönheit nicht in makelloser Oberfläche liegt, sondern im Wandel. Der Onyx war ein Gegenentwurf zur makellos glänzenden Hochglanzästhetik anderer Marken.
Das Carbon wurde ebenfalls nicht lackiert. Die Struktur blieb offen, die Fasern sichtbar. Damit war jedes Fahrzeug einzigartig – ein Unikat, das Spuren seines Herstellungsprozesses trug. Peugeot verstand dies als Rückkehr zu Authentizität: kein Schein, nur Sein.
Leichtbau mit Struktur
Das Chassis des Onyx bestand vollständig aus Carbonfaser-Verbundmaterial. Es handelte sich um ein Monocoque, das aus drei Segmenten zusammengesetzt wurde. Die Schalenstruktur bot maximale Steifigkeit bei minimalem Gewicht. Mit nur 1.100 Kilogramm Gesamtmasse erreichte der Onyx eine Leistungsgewichtszahl, die selbst heutige Supersportwagen übertrifft.
Die Aufhängung war direkt an das Monocoque angebunden, ähnlich wie bei Le-Mans-Prototypen. Aluminium-Querlenker und Titanverbindungen minimierten Masse und erhöhten die Präzision. Das Fahrwerk war doppelt querlenkergeführt, die Dämpfer horizontal montiert, um den Schwerpunkt zu senken.
Diese Lösung ermöglichte eine tiefe Sitzposition und eine flache Fahrzeuglinie. Der Schwerpunkt lag unterhalb der Radnabenhöhe – ein Wert, der die Stabilität bei hohen Geschwindigkeiten deutlich verbesserte.
Hybridantrieb aus dem Rennsport
Unter der Karbonhaut arbeitete ein 3,7-Liter-V8-Hybrid-Diesel, entwickelt aus der Antriebstechnik des Le-Mans-Rennwagens Peugeot 908. Der Verbrenner leistete rund 600 PS, unterstützt von einem 80-PS-Elektromotor, der beim Bremsen Energie zurückgewann und sie beim Beschleunigen wieder abgab.
Das KERS-System (Kinetic Energy Recovery System) speicherte die Bremsenergie in einer Lithium-Ionen-Batterie, die zwischen Motor und Cockpit positioniert war. Diese Anordnung verbesserte die Gewichtsverteilung auf 47:53 und hielt die Balance auch bei hohen Querbeschleunigungen konstant.
Die Kraftübertragung erfolgte über ein sequentielles 6-Gang-Getriebe an die Hinterräder. Mit dieser Konfiguration beschleunigte der Onyx in rund 3,5 Sekunden auf 100 km/h und erreichte eine Spitze von etwa 360 km/h. Diese Zahlen waren 2012 beeindruckend – aber noch beeindruckender war die Effizienz: Dank Hybridunterstützung blieb der Verbrauch deutlich unter dem, was reine V8-Sportwagen jener Zeit verbrauchten.
Aerodynamik mit Funktion
Die Linienführung des Onyx war konsequent auf Strömung optimiert. Der Wagen war nur 1,13 Meter hoch, 4,65 Meter lang und 2,2 Meter breit. Die glatte Unterbodenstruktur mit integriertem Diffusor sorgte für stabilen Unterdruck, während die seitlichen Lufteinlässe den Motor und die Bremsen versorgten.
Ein verstellbarer Heckspoiler veränderte je nach Geschwindigkeit seine Neigung und erzeugte zusätzlichen Abtrieb. Gleichzeitig öffneten sich bei hohem Tempo kleine Luftkanäle an den Flanken, um den Auftrieb zu reduzieren. Peugeot nutzte für diese Steuerung ein einfaches pneumatisches System – leicht, zuverlässig und wartungsarm.
Die Aerodynamik des Onyx war damit nicht nur funktional, sondern integraler Bestandteil seiner Form. Es gab keine Designelemente ohne Nutzen. Alles, was sichtbar war, diente der Effizienz.
Innenraum mit klarer Haltung
Im Inneren setzte Peugeot auf radikale Einfachheit. Der Innenraum bestand aus nur wenigen Bauteilen. Sitz, Mittelkonsole und Armaturenträger wurden aus einem Stück geformt. Der Fahrer saß tief in der Carbonwanne, umgeben von einer organisch geformten Filzlandschaft.
Filz war hier kein Symbol für Schlichtheit, sondern ein Hochleistungsmaterial. Es isolierte Schall, regulierte Temperatur und diente zugleich als Strukturbauteil. Peugeot zeigte damit, dass Nachhaltigkeit nicht nur durch Recycling, sondern auch durch funktionale Intelligenz entstehen kann.
Statt klassischer Anzeigen nutzte der Onyx eine digitale Instrumentierung mit präziser Datenanzeige. Geschwindigkeit, Energiefluss, Gang und Hybridstatus wurden auf einem flachen Bildschirm dargestellt. Zusätzlich informierte eine farbige LED-Leiste über Lade- und Rekuperationszustände.
Materialinnovation im Detail
Peugeot experimentierte beim Onyx mit Werkstoffen, die bis dahin kaum im Automobilbau eingesetzt wurden. Neben Kupfer und Filz kam sogenanntes „Newspaper Wood“ zum Einsatz – ein Verbund aus gepresstem Altpapier, der die Textur von Holz imitierte, jedoch leichter und widerstandsfähiger war.
Das Material wurde aus alten Tageszeitungen gewonnen, in Schichten gepresst, anschließend geschliffen und geölt. Die Maserung entstand aus den Druckerschichten des Papiers – jedes Stück war individuell. Peugeot nutzte diesen Werkstoff für die Türverkleidungen und Teile der Mittelkonsole.
Diese Entscheidung war mehr als ein Designdetail. Sie stand für die Idee, aus Wegwerfprodukten Wertstoffe zu schaffen – ein Gedanke, der heute in vielen Innenraumkonzepten des Konzerns fortlebt.
Ein Labor für Designideen
Der Onyx war kein Einzelprojekt. Peugeot entwickelte parallel dazu eine komplette Designlinie: den Onyx-Scooter und das Onyx-Bike. Beide teilten dieselbe Materialphilosophie und dienten als Erweiterung des ästhetischen Konzepts.
Das Ziel war, eine ganzheitliche Designkultur zu schaffen, die Mobilität nicht nach Fahrzeugtypen trennt, sondern nach Denkweisen. Alles, was der Mensch nutzt, sollte ästhetisch, funktional und langlebig sein. Diese Überlegung markierte den Beginn von Peugeots „Design by Purpose“-Strategie.
Einfluss auf die Marke
Viele Designelemente des Onyx fanden später ihren Weg in die Serienproduktion. Der markante Kühlergrill mit vertikalen Lamellen, die dreifache Lichtsignatur und die klare Flächengliederung wurden zu Markenzeichen der modernen Peugeot-Generation.
Auch die Materialkombination aus matten und glänzenden Oberflächen, der Fokus auf Leichtbau und der Mut zur sichtbaren Struktur prägen noch heute das Markenbild. Modelle wie der 508, 208 und 308 tragen diese DNA in sich – wenn auch subtiler.
Die Designentwicklung von Peugeot seit 2012 ist ohne den Onyx kaum zu erklären. Er war der Punkt, an dem die Marke begann, sich neu zu definieren: weniger verspielt, stärker technisch und zugleich emotional kontrolliert.
Nachhaltigkeit mit System
Der Onyx war eines der ersten Fahrzeuge, bei dem Nachhaltigkeit integraler Bestandteil der gesamten Kette war – von Materialauswahl bis Fertigung. Peugeot untersuchte damals, wie Recyclingprozesse in Design und Produktion einfließen können, ohne den ästhetischen Anspruch zu senken.
Daraus entstand ein internes Materialregister, das später in den Entwicklungsabteilungen genutzt wurde, um neue Werkstoffe systematisch zu bewerten. Diese Denkweise bereitete den Weg für aktuelle Projekte, bei denen recycelte Kunststoffe, Biokomposite und natürliche Fasern im Serieneinsatz stehen.
Warum der Onyx relevant bleibt
Zehn Jahre nach seiner Präsentation wirkt der Onyx fast aktueller denn je. Seine Philosophie – bewusster Ressourceneinsatz, funktionales Design und technische Klarheit – beschreibt genau das, was die Automobilindustrie heute fordert.
Der Wagen war ein Entwurf für ein Umdenken: Weg von Oberflächenglanz, hin zu technischer Ehrlichkeit. In einer Zeit, in der Nachhaltigkeit oft als Pflicht verstanden wird, bleibt der Onyx ein Beispiel für Glaubwürdigkeit.
Peugeot zeigte, dass Fortschritt nicht laut sein muss. Manchmal reicht es, Materialien sprechen zu lassen, um zu zeigen, was wirklich Zukunft hat. Der Onyx war nie für den Verkauf gedacht – aber er verkaufte eine Idee, die noch lange nachwirkt.