BMW Z4 Final Edition
BMW setzt mit der Z4 Final Edition ein Ende, das kein stiller Modellabschied ist.
Es ist ein markanter Schlussstrich, der zeigt, wie der Konzern seine Roadster-DNA noch einmal komprimiert: reduzierte Form, präzise Technik, optische Schärfe.
Der Z4 war seit 2002 ein fixer Bestandteil der sportlichen Identität der Marke, erst als E85/E86, später als E89 und schließlich als G29. Die Final Edition bringt die letzte Evolutionsstufe dieser Linie auf die Straße – und zwar in einer Konfiguration, die den Fokus auf die Essenz legt: kompakter Hinterradantrieb, ausgewogene Gewichtsverteilung, kurze Hebel, direkter Kontakt.
Das Modelljahr 2026 bildet das Ende der Produktion, wobei die Final Edition ausschließlich in einem begrenzten Zeitfenster hergestellt wird. BMW betont damit, dass die Baureihe nicht zufällig ausläuft, sondern scharf definiert verabschiedet wird. Die Sonderlackierung Frozen Matt Black, ergänzt durch schwarze Exterieurdetails, rote Bremssättel und final editionspezifische Akzente, verleiht dem Roadster eine visuelle Identität, die unmissverständlich signalisiert, dass es sich nicht um eine Standardvariante handelt.
Die Final Edition steht weiterhin in allen Leistungsstufen zur Verfügung – 197 PS, 258 PS und 340 PS –, was für ein Auslaufmodell ungewöhnlich breit ist. BMW lässt die Z4-Baureihe nicht reduziert oder abgespeckt enden, sondern mit voller technischer Bandbreite. Dieser Zugang verstärkt den Charakter der Edition: kein nostalgisches Gedenken, sondern ein betont aktiver Performance-Abschluss.
Der Aufbau
Der Z4 basiert auf der CLAR-Kurzplattform, die auch den Toyota GR Supra trägt, allerdings mit BMW-spezifischer Abstimmung, Elektronikarchitektur und Getriebeparametern. Die Plattform erlaubt eine tiefe Sitzposition, eine nahezu perfekte Achslastverteilung (rund 50:50) und einen Schwerpunkt, der durch das Stoffverdeck gegenüber einem Hardtop um mehrere Kilogramm reduziert wird.
Die Außenabmessungen – 4,32 Meter Länge, 1,86 Meter Breite und 1,30 Meter Höhe – definieren ein kompaktes, gedrungenes Profil. Der Radstand von 2,47 Metern bildet die Grundlage für schnelle Richtungswechsel, während die Spurweiten für stabile Lastwechselreaktionen sorgen: rund 1.58 Meter vorne und 1.61 Meter hinten. Diese Geometrie ergibt ein Fahrzeug, das agil einlenkt, ohne Nervosität zu zeigen.
Die Karosserie besteht aus einer Mischbauweise aus Stahl und Aluminium, wobei Motorhaube, Federbeindome, Querträger und bestimmte Verstärkungen aus Leichtmetall gefertigt sind. Die Torsionssteifigkeit liegt deutlich über jener der Vorgängergeneration und ermöglicht ein präzises Fahrverhalten auch bei hohen Querbeschleunigungen.
Das Softtop öffnet und schließt elektrisch in etwa zehn Sekunden und kann bis 50 km/h bedient werden. Gegenüber einem Metallklappdach reduziert es Gewicht, Schwerpunkt und mechanische Komplexität. Die Geräuschdämmung wurde durch eine Mehrlagenstruktur optimiert, während das Dachpaket kompakter im Heck verschwindet und den Schwerpunkt tiefer hält.
Kraft und Technik
Die Motorenpalette der Final Edition umfasst drei Antriebsvarianten, die auf derselben modularen Architektur basieren, jedoch in Aufbau, Aufladung, Thermomanagement und Kraftentfaltung deutlich voneinander abweichen. Alle Aggregate erfüllen hohe thermische Dauerlastanforderungen, die durch die offene Karosseriestruktur eines Roadsters schärfer ausfallen als bei geschlossenen Modellen.
sDrive20i
Der 2,0-Liter-Vierzylinder der Baureihe B48A20 arbeitet mit einer geschmiedeten Kurbelwelle, einem steifen Bedplate-Motorblock und strömungsoptimierten Brennräumen. Der Twinscroll-Lader trennt die Abgasströme der Zylinderpaare, was zu einer sauberen Druckwelle und konstanter Laderdrehzahl führt. Dadurch bleibt das Ansprechverhalten auch bei niedrigem Abgasvolumen stabil. Das maximale Drehmoment liegt bereits ab etwa 1.350 U/min an und fällt erst spät ab, was den Motor im Alltag elastischer macht, als die Nennleistung vermuten lässt.
Die direkteinspritzende Hochdruckpumpe arbeitet mit bis zu 350 bar und verbessert die Gemischbildung besonders in der Teillastphase. Der Motor nutzt eine wassergekühlte Ladeluftführung, die unter Dauerlast für Temperaturstabilität sorgt. In Verbindung mit dem Roadster-Layout bedeutet dies kurze Wärmewege und kontrollierte thermische Lasten auch bei sommerlichen Außentemperaturen. Der sDrive20i bleibt damit der effizienteste Motor im Programm, ohne an mechanischer Präzision einzubüßen.
sDrive30i
Der 30i unterscheidet sich nicht nur durch Software – sein Ladergehäuse, die Kolbenbodengeometrie und die Kühlmittelkanäle wurden angepasst, um höhere Verbrennungsdrücke zu verkraften. Eine stärkere Ölpumpe hält den Druck auch bei hohen Querbeschleunigungen stabil, was insbesondere bei sportlicher Fahrweise in engen Radien relevant ist. Die Leistung steigt nicht aufgrund eines größeren Laders, sondern aufgrund höherer thermischer und struktureller Belastbarkeit.
Mit 400 Nm Drehmoment bietet der Motor ein Plateau, das zwischen rund 1.600 und 4.500 U/min nahezu konstant bleibt. Das erzeugt eine lineare Kraftentfaltung, die im Zusammenspiel mit dem kurzen ersten und zweiten Gang der ZF-Automatik für spontane Beschleunigung sorgt. Die adaptive Klappensteuerung im Abgassystem erweitert den Klangcharakter, ohne aufdringliche Tonlagen zu erzeugen. Die Ladeluftkühlung arbeitet mit größerer Austauschfläche, was die Temperaturdifferenz im Vergleich zum 20i spürbar reduziert und Leistungseinbrüche bei hohen Außentemperaturen verhindert.
M40i
Der B58B30 stellt die technisch komplexeste Variante dar. Sein Closed-Deck-Block erhöht die Strukturfestigkeit, erlaubt höhere Zylinderdrücke und reduziert mikroskopische Verformungen im oberen Blockbereich. Der twin-scroll Turbo mit großem Verdichterrad erzeugt effizient Druck über das gesamte Drehzahlband. Die Wasserkühlung des Abgaskrümmers verhindert thermische Spitzen und verbessert die Abgasnormstabilität. Das integrierte Kühlmodul mit elektrischer Pumpe ermöglicht zonenbasierte Steuerung: Der Kopf wird schneller aufgeheizt, während der Block länger kühl bleibt – entscheidend für Verschleiß und Klopffestigkeit.
Die Luftführung ist strömungsoptimiert, das Saugrohr besitzt gleichmäßige Kanalvolumina, und der Kraftstoff wird über eine Mehrlochdüse fein zerstäubt. Diese Eigenschaften erzeugen einen stabilen Verbrennungsablauf, der bis in hohe Drehzahlen trägt. Der M40i arbeitet mit einem zweistufigen Ölpumpensystem, das bei sportlicher Fahrt den Druck konstant hält und durch gesteuerte Pumpwirkung Reibungsverluste reduziert. Die mechanische Laufruhe des Reihensechszylinders bleibt auch bei hohen Lastwechseln erhalten, da Kurbeltrieb und Ausgleichsgeometrie Schwingungen natürlich ausbalancieren.
Das Drehmoment von rund 500 Nm sorgt nicht nur für starken Antritt, sondern auch für mühelosen Durchzug im hohen Gang. Die Motorcharakteristik bleibt konstant und verliert kaum an Präsenz, selbst wenn das Fahrzeug über längere Zeiträume unter thermisch hoher Belastung gefahren wird. Der Z4 M40i ist damit nicht nur die stärkste, sondern auch die technisch ausgereifteste Variante.
Getriebetechnik
Die ZF-8HP-Steptronic Sport nutzt ein hydraulisches Steuergerät mit deutlich erhöhter Schaltkapazität gegenüber älteren Generationen. Die Reiblamellen bestehen aus beschichteten Verbundmaterialien, die hohen Temperaturen standhalten und kurze Schaltzeiten ermöglichen. Die Schaltstrategie für den Z4 ist spezifisch auf Hinterradantrieb, kurze Radstände und schnelles Herausbeschleunigen abgestimmt.
Die adaptive Drehmomentwandlung sorgt dafür, dass Lastwechsel minimal spürbar sind. Im Sportmodus werden die Schaltpunkte deutlich nach oben verlagert, während der Schubabschaltungsteil aktiver mit Sounddesign interagiert. Das Getriebe bleibt dabei eines der effizientesten Automatiksysteme auf dem Markt, mit hohem mechanischem Wirkungsgrad und geringer thermischer Belastung.
Hinterachse und Differenzial
Die Hinterachskinematik des Z4 basiert auf einer Mehrlenkergeometrie mit separater Radführung, die hohe Querkräfte ohne Verformung überträgt. Die Lenker bestehen aus Aluminium oder hochfestem Stahl, je nach Position und Belastungsbereich. Die Lagerpunkte nutzen steife Elastomermischungen, die Vibrationen filtern, ohne die Präzision zu beeinträchtigen.
Das elektronische M-Sperrdifferenzial des M40i arbeitet mit Lamellenpaketen, die hydraulisch geregelt werden. Je nach Fahrsituation kann die Sperrwirkung variabel aufgebaut werden, was beim Herausbeschleunigen aus Kurven oder bei wechselnden Reibwerten deutliche Vorteile bringt. Das System erzeugt nicht nur Traktion, sondern stabilisiert das Fahrzeug zusätzlich, indem es gezielt Drehmoment zu den Rädern mit höherem Grip schickt.
Im sDrive30i steht ein mechanisch einfacheres, aber dennoch wirksames Sperrsystem zur Verfügung, das vor allem bei sportlicher Fahrweise die Hinterachsdynamik verbessert. Der sDrive20i nutzt eine offene Hinterachse, profitiert jedoch von der breiten Spur, die die Seitenführungskräfte sauber aufbaut.
Innenraumfokus
Die Final Edition unterscheidet sich im Innenraum deutlich von den regulären Modellen. Die Materialspezifikation setzt auf dunkel gehaltene Farbtöne, Alcantaraflächen und rote Kontrastnähte, die den sportlichen Charakter unterstreichen. Die Sportsitze mit integrierter Kopfstütze verfügen über straffe Polsterung, ausgeprägte Seitenwangen und optionale elektrische Verstellung mit Memory-Funktion.
Das M-Lenkrad mit Alcantara-Bespannung sorgt für präzise Kontrolle und gibt dem Fahrer auch unter hoher Querbelastung verlässlichen Grip. Die Haptik ist direkt, ohne Filter, und unterstützt das Performance-Profil des Roadsters.
Die Instrumentierung kombiniert ein volldigitales Cockpit mit zentralem Infotainmentdisplay. Zwar handelt es sich nicht um die neueste BMW-Softwaregeneration, doch die Bedienlogik bleibt klar strukturiert und fahrerorientiert. Die Anzeigen sind kontraststark, schnell ablesbar und verzichten bewusst auf übertriebene Animation. Das Head-up-Display projiziert Geschwindigkeitsdaten, Navigationshinweise und fahrdynamische Informationen direkt ins Sichtfeld, ohne visuelle Ablenkung zu erzeugen.
Die Geräuschdämpfung im Innenraum wurde durch zusätzliche Schichten im Dach, Verstärkungen im Windschutzscheibenrahmen und optimierte Dichtprofile verbessert. Dennoch bleibt der akustische Charakter eines klassischen Stoffdach-Roadsters erhalten – bewusst direkter, mechanischer, näher am Antrieb.
Performanceblick
Das Fahrverhalten des Z4 Final Edition basiert auf Präzision. Die Lenkung reagiert ohne Verzögerung, liefert direkteren Kontakt zur Straße als viele moderne Sportwagen und bleibt auch unter hoher Last stabil. Die variable Sportlenkung passt ihre Übersetzung je nach Geschwindigkeit und Lenkwinkel an und schafft damit eine Mischung aus Agilität und Stabilität.
Die Achslastverteilung ermöglicht neutrale Reaktionen im Grenzbereich. Bei Lastwechsel bleibt das Heck berechenbar, und die elektronische Stabilitätskontrolle greift fein dosiert ein. Die Bremsanlage mit Vierkolbensätteln vorne sorgt für konstanten, temperaturstabilen Druckpunkt und kurze Bremswege. Die große Dimensionierung der Bremsscheiben verhindert Fading selbst bei intensiver Nutzung.
Die Reifenbreite spielt bei der Final Edition eine tragende Rolle. Die optionalen 275 mm an der Hinterachse erhöhen die Querkraftübertragung erheblich. In Verbindung mit dem adaptiven M-Fahrwerk entsteht ein Fahrverhalten, das weit über die reine Roadster-Klasse hinausgeht. Der Z4 sucht aktiv Grip, hält die Linie konsequent und zeigt keinerlei instabile Tendenzen, selbst bei hoher Geschwindigkeit.
Limitierung und Position
Die Z4 Final Edition markiert die letzte Phase der Baureihe. Die Produktion endet im März 2026, was sie automatisch zu einem begrenzten Modell macht. Die exakte Stückzahl wurde nicht offiziell kommuniziert, doch aufgrund des definierten Produktionszyklus und der Sonderausstattung gilt die Edition als potenziell wertstabil.
Positioniert ist der Z4 Final Edition als sportlichstes und exklusivstes Modell seiner gesamten Generation. Die Sonderlackierung, die spezifischen Designelemente und die vollständige Motorenpalette verleihen ihm eine Rolle, die über ein typisches Sondermodell hinausgeht. Er steht nicht als Dekorvariante, sondern als Abschluss einer langen Roadster-Tradition.
Im Marktumfeld trifft die Final Edition auf eine Roadster-Landschaft, die nahezu ausgestorben ist. Mazda MX-5, Porsche 718 Boxster und einzelne Nischenmodelle bleiben als Konkurrenz bestehen. Der Rückzug anderer Hersteller erhöht den Seltenheitswert offener Sportwagen – und damit die emotionale wie technische Bedeutung des Z4 Final Edition.